Griechisch am Gymnasium Fridericianum

Griechisch gehört neben Latein zu den Kernfächern humanistischer Bildung. Nach der Neugründung des Gymnasium Fridericianum wurde es daher wieder zum festen Bestandteil unseres Fächerkanons.
Seit 1993 haben es jedes Jahr Schüler gewählt und lieben gelernt.

Das Fach Griechisch beschäftigt sich mit dem Klassischen Griechisch von vor etwa 2500 Jahren. Der Lehrgang gliedert sich folgendermaßen:

Klasse

Wochenstunden

Lerninhalte

Kl. 8

4

Schrift, Aussprache, leicht zugängliche Grammatik nach Lehrbuch, mythologische Geschichten

Kl. 9

4

Lehrbuch: Athen, Odysseus´ Abenteuer, Alexander der Große, Philosoph Diogenes

Kl. 10

3

Lehrbuch: Perserkriege, Geschichtsschreibung, Philosoph Platon, Redekunst, Rechtsprechung

Kl. 11

4

Originallektüre: Platon und Sokrates, homerische Epen

Kl. 12

4

Originallektüre: Geschichtsschreibung, antike Tragödie oder Komödie

Abitur

Als Abiturfach wählbar, sowohl schriftlich (240 oder 300 Minuten- Klausur) als auch mündlich. Abschluss: Graecum (ohne besondere Prüfung)

Aus welchen Gründen wählen unsere Schüler Griechisch?

  • Interesse an Mythologie und alten Kulturen
  • Ein besonderes Fach, das nicht überall angeboten wird
  • Die Unterrichtssprache ist Deutsch
  • Die Lerngruppen sind überschaubar und voll netter Leute
  • Sympathie für das Urlaubsland Griechenland
  • Zertifikat „Graecum“ erhältlich

Aus welchen Gründen unterstützen die Eltern die Sprachwahl ihrer Kinder?

  • Griechisch fördert die Allgemeinbildung
  • Griechisch führt zu den Wurzeln der europäischen Kultur
  • Griechisch verbessert das deutsche Sprachgefühl und Ausdrucksvermögen
  • Ein Graecum fällt auf dem Abiturzeugnis positiv auf
  • Für viele Studienfächer ist das Graecum nützlich – für einige nötig

Wir Griechischlehrer (Frau Dose, Herr Dr. Dietzfelbinger, Frau Hergt, Frau Jentsch, Frau Dr. Rink und Herr Roettig) möchten unseren größten Schatz, das Fach Griechisch, möglichst vielen Schülern weitergeben.

Hier noch einige genauere Informationen zum Fach Griechisch

Die Sprache Griechisch

Griechisch ist die älteste kontinuierlich gesprochene Sprache Europas. Älteste Spuren von Griechisch lassen sich schon um 1200 v. Chr. nachweisen, die ersten überlieferten Texte europäischer Literatur (Homer) stammen aus dem 8. Jahrhundert v. Chr.

Die Griechen haben die Buchstabenschrift eingeführt, unsere europäischen Alphabete stammen alle von dieser Schrift ab – das macht sie leicht lernbar. Griechisch ist eine indoeuropäische Sprache, die viele Ähnlichkeiten mit der deutschen Sprache aufweist und deshalb für uns gut zugänglich ist. Der Schwierigkeitsgrad ist ungefähr dem der lateinischen Sprache vergleichbar. Griechisch war viele Jahrhunderte lang von der Antike (Alexander der Große) bis ins Mittelalter (oströmisches Reich) die Hauptverkehrssprache im östlichen Mittelmeerraum.

Griechisch wird heute noch gesprochen. Manche Formen sind vereinfacht worden, die Aussprache hat sich verändert – aber die Schrift, zahllose Vokabeln und sogar manches aus der Grammatik findet man noch heute im Neugriechischen. Deshalb helfen Altgriechischkenntnisse im Urlaub in Griechenland durchaus weiter – und sie lassen sich mit wenig Aufwand zu soliden Neugriechischkenntnissen erweitern.

Griechische Texte

Die ersten literarischen Texte Europas sind auf Griechisch geschrieben. Sie stammen von dem Dichter Homer und handeln vom trojanischen Krieg und den Abenteuern des Odysseus. Diese Texte lesen wir heute noch in der Schule! Die Griechen haben aber auch die Geschichtsschreibung (Herodot, Thukydides), das Schauspiel (Sophokles, Eurypides, Aischylos, Aristophanes) und die Philosophie (Platon, Sokrates, Aristoteles) erfunden.

Auch waren sie große Redekünstler, Mediziner, Romanschreiber usw. Das Neue Testament ist ursprünglich auf Griechisch verfasst worden. Wir übersetzen im Griechischunterricht daher die Grundtexte europäischer Literatur, gewissermaßen Zeitzeugenberichte aus der Anfangszeit, und diskutieren darüber.

Griechische Kultur

Die Griechen hatten einen ausgeprägten Sinn für das Schöne und Gute, für Recht und Freiheit, für Forschung und Wissenschaft.
Als die Römer Griechenland erobert hatten, bewunderten sie alle diese Kulturleistungen und übernahmen sie mit Begeisterung. Das römische Reich wuchs und damit das Einflussgebiet der griechischen Kultur.
Zwar rückte das Wissen über die antike Welt im Mittelalter in den Hintergrund, aber während der Renaissance wurde es wiederentdeckt und während des Klassizismus noch einmal neu belebt.
Und so finden wir überall in Europa und eben auch in europäisch geprägten Gebieten anderer Kontinente...
Bauformen und Proportionen, die schon griechische Architekten erfunden haben,
Staatsformen wie z. B. die Demokratie, die in Griechenland erfunden und erprobt worden sind,
griechische Mythen als Themen in der Literatur,
stilistische Tricks griechischer Redekünstler in modernen Texten,
mathematische Regeln, die von Griechen geprägt worden sind,
Ärzte, die bis heute den Eid des Hippokrates leisten usw.

Anwendungsmöglichkeiten von Griechisch

Griechisch steigert deshalb die Allgemeinbildung in einem hohen Maße. Überall stößt der, der Altgriechisch gelernt hat, auf Bekanntes, kann es mühelos in einen Zusammenhang einordnen und es sich so leichter erschließen und merken.

Das beginnt mit Fremdwörtern, die in den meisten „Fachsprachen“ von griechischen Wörtern nur so wimmeln:
Ob in der BOTANIK die ANEMONE, in der PALÄONTOLOGIE der DINOSAURIER, in der ZOOLOGIE das RHINOZEROS, in der BIOLOGIE das CHLOROPHYLL oder auch in der THEOLOGIE die ESCHATOLOGIE, in der GEOGRAPHIE die SEISMOLOGIE– sowohl die Bezeichnungen der Fachwissenschaften als auch die genannten PHÄNOMENE BASIEREN auf griechischen Fremdwörtern. Dass das sogenannte Medizinerlatein aus griechischen Wörtern mit lateinischen Endungen besteht, so dass man mit Griechischkenntnissen die KRYPTISCHEN DIAGNOSEN von ÄRZTEN ganz gut entschlüsseln kann, ist wohl allgemein bekannt. (Alle Wörter in Blockbuchstaben in diesem Absatz haben griechische Wurzeln!)
Griechisch ist also in unserem Alltag dauernd anwendbar; wer es kann, profitiert davon sehr. Zudem stärkt die Beschäftigung mit griechischen Texten das deutsche Sprachgefühl.

Das Graecum

Wer sich im Studium mit Theologie, Latein, Archäologie, Philosophie oder alter Geschichte beschäftigen will, braucht das Graecum.
Man kann es zwar an der Universität nachholen, aber dann verzögert es das Studium um ein Jahr, wird in einem Crashkurs vermittelt und macht viel Arbeit und wenig Freude. Genuss am Erlernen des Griechischen kann man deshalb nur in der Schule haben, wo es langsam, Schritt für Schritt und mit viel Zeit zum Reden über die Texte vermittelt wird.
Das Zertifikat Graecum wird auf dem Abiturzeugnis vermerkt. Viele ehemalige Schüler berichten, dass es bei Bewerbungsgesprächen aufgefallen ist und ihnen gute und der Einstellung förderliche Anknüpfungspunkte im Gespräch gegeben habe.

Griechisch am Fridericianum

Die Unterrichtssprache ist Deutsch. Wir übersetzen und diskutieren Texte. Unser Lehrbuch ist sehr kompakt und modern, enthält ansprechende Texte und gut durchdachte Übungen.
In unseren Griechischgruppen treffen sich die Schüler, die für sich das Besondere wollen und es sich zutrauen. Deshalb entstehen gerade in Griechischkursen lebenslange Freundschaften.
Je nach Interessenlage des Kurses besteht die Möglichkeit, Einblicke auch ins Neugriechische zu wagen oder Dialoge auf Altgriechisch zu gestalten und aufzuführen. Manche Kurse probieren griechische Volkstänze aus oder kochen einmal zusammen ein griechisches Gericht. Andere Kurse betägigen sich künstlerisch und gestalten Ornamente im griechischen Stil.
Einmal im Jahr ist unser schulinterner Wettbewerb, die Griechischolympiade, an der alle Jahrgangsstufen teilnehmen. Und auch der Bundeswettbewerb Fremdsprachen hat für Interessierte Griechisch als Disziplin.
Manchmal bieten sich auch Exkursionen ins Museum, Kino oder Theater an. Wir arbeiten eng mit dem Institut für Altertumswissenschaften an der Universität Rostock zusammen und besuchen uns gegenseitig.
Immer wieder sind Schüler unserer Schule von Griechisch so fasziniert gewesen, dass sie es dann auch studiert haben.
Und so können wir bis heute mit Stolz sagen: Griechisch lebt!