Junge Schweriner probieren EU

Fridericianer arbeiten eine Woche lang im Europäischen Jugendparlament in Irland wie echte Abgeordnete

FELDSTADT So arbeitet das Europäische Parlament: Fachthemen werden von Experten vorbereitet und von den Abgeordneten und ihren politischen Mitarbeitern in Ausschüssen diskutiert. Dort müssen Kompromisse ausgehandelt werden, denn nur was mehrheitsfähig ist, hat eine Chance, beschlossen zu werden. Dann gehen die Resolutionen in die Vollversammlung und das Parlament stimmt darüber ab.

„Genau so wie die Abläufe in Brüssel und Straßburg sind, war auch unsere Arbeit im Europäischen Jugendparlament: ganz schön stressig und anspruchsvoll“, erzählt Paul Pawel Iwkin, Schüler am Gymnasium Fridericianum. Er war gemeinsam mit seinen Mitschülern Gregor Heilborn, Max Lange, Jan-Eric Fähnrich, Erik Jahn, Jakob Horn, Juliane Wiedersberg und Lehrerin Annette Uffmann zu einer Sitzung des Europäischen Jugendparlaments nach Dublin und Belfast gereist. Die jungen Schweriner hatten sich über mehrere Stufen für die Teilnahme qualifiziert und vertraten die Bundesrepublik Deutschland in Irland und Nordirland.

„Es war eine ganz schön große Herausforderung, und nicht nur fachlich“, sagt Gregor Heilborn rückblickend. Jeder der sieben Deutsche arbeitete in einem anderen Ausschuss mit Jugendlichen aus anderen europäischen Ländern zusammen an der Lösung konkreter Probleme. Zum Beispiel musste eine gemeinsame Position zum Freihandelsabkommen TTIP mit den USA erarbeitet werden. Oder zu Transportfragen oder zur gemeinsamen Finanzpolitik der Euro-Zone.

"So wie die europäischen Länder unterschiedliche Sichtweisen dazu haben, war das bei uns auch. Es gab lange Debatten. Wir haben kaum geschlafen. Es war gar nicht so leicht, andere von der deutschen Position zu überzeugen oder selbst Abstriche zu machen“, berichtet Gregor Heilborn. „Und da alles in Englisch ablief, setzte das neben Fachkenntnis natürlich auch sichere Fremdsprachenkenntnisse voraus“, ergänzt Paul Iwkin. „Aber es macht unheimlich viel Spaß, mit anderen Jugendlichen, die auch Ahnung haben, über politische Themen zu diskutieren.“

Das sei übrigens ein großer Vorteil des Jugendparlaments, sagt Sozialkundelehrerin Annette Uffmann. Es werde nicht hypothetisch gearbeitet wie bei anderen Debattier- Wettbewerben, sondern konkret. „Unsere Resolutionen wurden übrigens alle dem echten Europäischen Parlament vorgelegt“, ergänzt Paul Iwkin.

Neben den politischen Debatten und der internationalen Team-Arbeit hatten die sieben Fridericianer aber noch viel mehr erlebt. Auf demProgrammstandenauch Besuche in prestigeträchtigen Gebäuden und Stätten, darunter auch in den einstigen Hochburgen der IRA, oder Konzertbesuche.

Bert Schüttpelz